Es ostert, auch im Wildunger Land

Der Kurschattenbrunnen in Bad Wildungen. Fotos: M. Zimmermann

Liebe Leserinnen und Leser! Falls Sie auch in die Verlegenheit kommen, Ihren Kindern oder aber Neubürgern mit Migrationshintergrund zu erklären, wieso es an einem der höchsten christlichen Feste von bunten Eiern und Osterhasen nur so wimmelt, haben wir uns die Mühe gemacht, etwas über die Osterbräuche herauszufinden.

Es wird allgemein angenommen, dass der Ursprung der Osterbräuche im heidnischen Frühlingsfest liegt, das zu Ehren der germanischen Frühlings- und Fruchtbarkeitsgöttin Ostara (oder Eostrae) gefeiert wurde. So begrüßte man das zunehmende Licht, das Erwachen der Natur und den Neubeginn. Das Osterwochenende wird immer am ersten Vollmond nach Frühlingsanfang gefeiert. Heute handelt es sich um einen der höchsten christlichen Feiertage, an dem Christen weltweit der Kreuzigung und Auferstehung Jesu gedenken.
In Deutschland gibt es jede Menge Osterbräuche, die von der traditionellen Eiersuche bis hin zum alt bekannten Osterfeuer reichen. Mit diesem germanischen Brauch, der vor allem in Niedersachsen, im nördlichen Rheinland, in Hamburg und Schleswig-Holstein, aber auch inzwischen bei uns verbreitet ist, wird das Ende des Winters gefeiert. Über die Flammen zu springen, bringt angeblich Glück für das nächste Jahr. In Lüdge in Nordrhein-Westfalen werden hingegen riesige Holzräder mit Stroh gefüllt. Bei Sonnenuntergang zündet man dann das Heu an und rollt die brennenden Räder ins Tal hinab.
Sich zu Ostern gekochte und bunt bemalte Eier zu schenken, hatte früher praktische Gründe. Nach christlicher Tradition durften während der Fastenzeit keine Eier gegessen werden. Durch das Kochen wurden die Eier haltbar gemacht, durch das Färben konnte man sie von den rohen Eiern unterscheiden. Am Ostersonntag, dem Ende der Fastenzeit, gab es dann Eier in Hülle und Fülle. Den Kindern erzählte man, dass die Eier von verschiedenen Tieren gebracht und versteckt wurden. So war es in Oberbayern früher der Hahn, der die Ostereier brachte, in Thüringen der Storch, in Westfalen der Fuchs und im Raum Fulda der Palmesel.
Der Osterhase stammt vermutlich vom Oberrhein bzw. aus dem Elsass und wurde 1678 erstmals in einem Dokument erwähnt. Die Eiersuche am Ostersonntag ist eine willkommene Gelegenheit für einen schönen Osterspaziergang. Mit der industriellen Fertigung von Schokoladenfiguren hat der Hase als bekanntester Osterbrauch nicht nur Europa sondern mittlerweile die halbe Welt erobert. (nach: „Lottoland“)

Und nun zum Ostersonntag etwas für unsere Liebhaber klassischen deutschen Kulturgutes:

Osterspaziergang aus Goethes Faust I

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche,
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungs-Glück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in raue Berge zurück.

Von dorther sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur;
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.

Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurück zu sehen.
Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden,
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbes Banden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus Strassen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.

Sieh nur sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluss, in Breit‘ und Länge,
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und, bis zum Sinken überladen
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.

Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein.

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