Einbruch im Kurhaus – der Alleespatz ist empört

Das Kurhaus-Areal - ein weiterer "verlorener Ort"? Foto: M. Zimmermann

Der Ruf der Stadt Bad Wildungen als Ort der „lost places“ wird offensichtlich von immer mehr Liebhabern heruntergekommener Immobilien gehört.

Bereits seit Jahren kommen diese in Scharen zur alten Villa Kraft. Von den Ausmaßen des Vandalismus dort kann man sich anhand der vielen Bilder auf diversen Internet – Portalen einen Eindruck verschaffen.

Nicht weit davon entfernt hat Bad Wildungen mit dem ehemaligen Hotel Parkhöhe eine weitere große Attraktion für die Liebhaber der „lost places“ (verlorener Orte) zu bieten. Der Alleespatz fragt sich, ob der Verkauf des Gebäudes an einen neuen Eigentümer alles war, was mit dem Haus passiert – oder ob es nur am Bauamt liegt, dass hier noch keine Bauarbeiten beginnen.

Und ganz in der Nähe sind noch mehr Gebäude, die seit vielen Jahren leer stehen und Geheimnisse und Schätze bergen – der gesamte Komplex des „neuen“ Kurhauses. Es ist klar, dass dieses jenen auffällt, die ein Interesse an der Inbesitznahme ungenutzter und unbeaufsichtigter Gebäude haben. Da dieses Gelände unbefugtem Zutritt offen steht, gibt es einen neuen Coup: – den Diebstahl von fest eingebauten Edellmetallteilen aus dem Gebäude des neuen Kurhauses. Wie konnte das nur passieren? Scheinbar fiel niemandem auf, dass größere Teile im Haus abgebaut, aus dem Gebäude herausgebracht und in ein großes Fahrzeug geladen wurden, das wohl auf der Langemarckstraße, der Hauptdurchfahrt durch die Stadt, gestanden haben muß. Wahrscheinlich hielten Beobachter diese Arbeiten für einen normalen Vorgang – wird doch bereits seit vielen Monaten das Inventar des Kurhauses in unregelmäßigen Abständen ausgebaut und woandershin gebracht. Diesmal war das Ausräumen jedoch nicht von der Stadtverwaltung initiiert, sondern von unbekannten Dieben, die wahrscheinlich am Verkauf des Edelmetalls verdienen wollen.

Blick von der Bühne in den Zuschauerraum des Kurhauses. Foto: Städtische Museen

Das kommt vielleicht wiederum jenen recht, die diese Gebäude lieber heute als morgen verkaufen – aber vielleicht auch einfach nur aus dem Bereich der eigenen Verantwortung loswerden – wollen. Denn wenn auch die Reste dessen, was am Kurhaus bewahrenswert ist, gestohlen und zerstört werden, verlieren endlich die letzten Wildunger den Glauben daran, dieses Kultur-Haus für die Stadt erhalten zu können.

Vielleicht ist dieser Einbruch aber endlich ein Anstoß zu begreifen, was es bedeutet, wenn in unserer Stadt die „lost places“ zur Besucherattraktion werden. Und sich zu entscheiden, für wen die Stadt da sein soll: ob es diejenigen sein sollen, die Gefallen am Verfall haben und von Verwahrlosung profitieren – durch Zurschaustellung, Diebstahl, Bewohnen oder zum Feiern. Oder ob es nicht besser wäre sicherzustellen, dass Einwohner und Gäste intakte und gut genutzte Bau-Objekte ihrem Zweck entsprechend nutzen können. Dafür zu sorgen ist zuallererst Aufgabe der Stadtverwaltung. Den Willen und auch Aktivitäten, das Eigene zu bewahren und zu erhalten, darf man zumindest für die der Stadt gehörenden Gebäude und Flächen erwarten. Vernachlässigung bei der Bewahrung des städtischen Eigentums rächt sich nicht nur mit der Zerstörung und dem Verlust dieses Eigentums. Sie rächt sich für alle durch die Rufschädigung unserer Stadt, wenn man sieht, welche „Vögel“ hier was für einem Ruf gefolgt sind! Der Ruf eines Kurortes sollte jedenfalls ein anderer sein – das meint der Allespatz.

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2 Kommentare

  1. Lethargie und Ideenlosigkeit bestimmen weiter das Geschehen bei Kurhaus & Co.

    Da wird offensichtlich in einer sehr dreisten Art und Weise im Wildunger Kurhaus randaliert, geplündert und geraubt, die Stadt erlangt auf einer eher traurigen Internetseite (Lost places) für Randaltouristen eine immer größere Beliebtheit, und die Liste dieser „lost places“ bleibt in unserer Stadt weiterhin lang (Villa Kraft, Klinik Parkhöhe, Molkerei, Kurhaus, Haus Österreich, Eisbahn usw.) aber keinen Bürger scheint es wirklich zu interessieren, und man kann geradezu fühlen wie Politiker und der Magistrat, sich im stillen über ein weiteres Argument freuen, dass unser Kurhaus nicht mehr zu retten ist. Natürlich ist das eine Unterstellung, aber die Empörung der Protagonisten wirkt da schon ein wenig geheuchelt und man kann sich diesen unterstellten Eindruck schwer verwehren.
    Ich möchte jetzt aber nicht schon wieder auf diese unendliche und unseriöse Geschichte der Betreiber und Investoren eines neuen Hotels kommen und all die damit unbeantworteten Fragen. In diesem Punkt wird sich schon traditionell von den großen Parteien und Bürgermeistern so verhalten, als wären alle anderen zu dumm, dieses ganze Konstrukt zu verstehen, vielleicht weil sie es mittlerweile selber nicht mehr verstehen. Es hat einfach keinen Sinn, sich darüber aufzuregen, letzte Erfahrung dazu hat die FWG ja bei Ihrer Anfrage gemacht, aber man bekommt dazu einfach keine ehrlichen und offen Antworten. Traurig genug für ein von Bürgern gewähltes Parlament und Bürgermeister!!
    Aus meiner Sicht gilt aber nach wie vor, dass die bauliche Situation des Kurhauses keinen Grund darstellt, dieses für diese Stadt wichtige Gebäude zu erhalten und wieder zum Wohle dieser Stadt zu betreiben. Es liegt vielmehr an der Angst der Verantwortlichen, am sturen und engstirnigen Betreiberdenken der späten 80er und Anfang 90er Jahre und an fehlender Kreativität. Lieber überlässt man unser Kurhaus dem Vandalismus, dem Abriss und der Spekulation. Und dieses Verhalten, Wirtschaften und Verwalten mit Steuergeldern trifft nicht nur auf das Kurhaus zu.
    Um denen die gerade widersprechen wollen vorzubeugen: Bau- und Renovierungskosten können durch einen klugen Teilverkauf des Geländes, durch Zuschüsse und Fördergelder verschiedener Institutionen und durch Abschreibung leicht gestemmt werden, entscheidend ist, dass ein Betrieb des Kurhauses keine weiteren Kosten nach sich zieht. Und dass dies möglich ist, zeigen viele Beispiele an anderen Standorten mit wesentlich schlechteren Voraussetzungen als in unserer Stadt. Dazu ist es aber eben auch nötig, dass das Kurhaus ein modernes, schlankes und effektives Betreiberkonzept erhält, aber diesen Ideen verschließt man sich in den Parteien und im Rathaus seit Jahren. Warum auch immer?
    Ich fürchte auch, dass die verantwortlichen Politiker und Beamten sich nicht mehr davon überzeugen lassen, dass es Ideen gibt, die unser Kurhaus wieder zu altem Glanz verhelfen, weil sie es einfach nicht wollen !!
    Viel schlimmer aus meiner Sicht ist aber, dass unserer Nachbarstadt im Zuge der Zusage für den Hessentag, geradezu von uns aufgefordert wird, diese Lücke, die wir mit dem gewollten Niedergang unseres Kurhausen eröffnen, zu schließen und dass man dort bis 2024 eine neue Stadthalle baut. Und sollten die Verantwortlichen der Domstadt es schaffen, einen Investor für ein mittelgroßes Hotel zu finden, dann wird uns Fritzlar sogar in unserer Kernkompetenz weiteres Geschäft wegnehmen und noch mehr Geld fließt an die Stadt an der Eder ab.
    Vor allem aber auch unsere beiden großen Hotels würden dies zu spüren bekommen, denn nicht nur Touristen hätten mit Fritzlar eine hervorragende Destination. Edersee, Nationalpark, Bad Wildungen usw. liegen auch für Fritzlar im Einzugsbereich, sondern auch Tagungs- und vor allem Seminargäste hätten mit Fritzlar dann eine gute Alternative, denn bessere Autobahnanbindung, schnellere Zuganbindung und 20 min Fahrstrecke bis Kassel, sprechen dann eine klare Sprache für Fritzlar.
    Fritzlar hat uns in den letzten Jahren in vielen Bereichen gezeigt, wie eine Kommune mit Ideen und schlüssigen Konzepten auf wirtschaftlichen gesunden Beinen stehen kann. Da kommt Glück (Bundeswehraufstockung) dann eben auch immer dem Tüchtigen zugute.
    Und wer hier noch nicht gemerkt hat, das Fritzlar schon lange nicht mehr nur auf die Bundeswehr setzt, sondern im Touristik-, Senioren- und Wirtschaftsbereich mächtig Gas gibt, hat schlicht die Entwicklung verpennt.
    Wie beim Kurhaus lässt man aber bei uns die Dinge einfach laufen, keine Ideen, keine Konzepte, keine Entwicklung in dieser Stadt. Immer mal wieder kommt da ein Investor, der letztlich nur ein Wohl im Sinn hat, nämlich sein eigenes, sicher nicht, das der Stadt. Und was am Ende dabei rauskommt, ist an einigen Beispielen in unserer Stadt leider zu sehen.
    Aber warum soll man unseren Politikern einen Vorwurf machen, wenn selbst den Bürgern mittlerweile jede Diskussion über diese Themen zu viel erscheint, ihnen es offensichtlich komplett egal ist, wie es mit dieser Stadt weitergeht, und wenn die Geschäftsleute und Gastronomen der Stadt nicht erkennen, welche wichtigen Impulse und Zusatzgeschäfte von z.B. einem wieder florierenden Kurhaus ausgehen könnten? Das Beklagen der Zustände ist da doch viel einfacher und angenehmer, und man kann auch noch anderen die Schuld zuschieben, was will man da mehr?

    Michael Spangenberg

  2. Das Problem was ich hier sehe ist:

    Mit altbackenen Konzepten (wie sie vorgestellt wurden) wird es sehr schwer sein, solchen Projekten wieder Leben einzuhauchen – entsprechende Investoren und Betreiber dafür zu finden.

    Was also tun? Hier sind Phantasie und Kreativität gefragt.
    Nur mit wirklich neuen Ideen und Konzepten (…) wird man diese leerstehenden Projekte vermarkten, ihnen neues Leben einhauchen können.

    Neues Leben, das der Stadt Bad Wildungen, und der Region um Bad Wildungen, wieder eine wirtschaftliche mustergültige Eigendynamik verschafft.

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