Bad Wildungen: Gründe für die überraschende Einigung zu „Helo 2“

Heloponte Front Foto: w-d/Archiv

Ziemlich viel Publikum verfolgte die Debatte in der Stadtverordnetenversammlung um den zugrundeliegenden CDU-Antrag über den Neubau des maroden Schwimmbades. Damit auch Sie die Gründe für die unerwartete Einigkeit erfahren, folgen hier die Statements der Fraktionsvorsitzenden Walter Mombrei (SPD), Klaus Stützle (GRÜNE) und Dr. Hans Schultheis (FWG).

SPD-Fraktionsvorsitzender Walter Mombrei:
„Dass wir uns über den CDU Antrag gewundert hatten, lag daran, dass zunächst Wolfgang Nawrotzki und Alois Mieslinger das Schwimmbad in Wiehl erkundet hatten und ich dann im Ältestenrat vorgeschlagen hatte, dass Mitglieder der anderen Fraktionen mit uns gemeinsam per Bus eine Informationsfahrt machen. Dazu war es nicht gekommen. Lediglich Hubert Schwarz und Georg Wackerbarth waren mit da, konnten sich auch alles ansehen und mit der Leitung des Bades über die wirtschaftliche Seite sprechen. Die Baukosten von 11 Mio. waren ebenso interessant wie das Angebot für die Besucher, was zuvor auch schon unsere Fraktion überzeugt hatte. Auf Nachfrage bei der CDU kam allerdings zunächst keine Reaktion. Wir hatten ja gehofft, mit der Aktion einen breiten Konsens bei der Entscheidung über das Bad zu erreichen. Deshalb waren wir dann natürlich über den Antrag aus heiterem Himmel überrascht. Aber es geht ja um die Sache, und deshalb haben wir dann gerne zugestimmt. Wir waren ja genauso überzeugt von Wiehl.
Allerdings sind wir nicht ganz so optimistisch, dass man ein solches Bad – dann noch mit Sauna – heute noch zu einem Preis, wie er der CDU vorschwebt, bauen kann. Einen Versuch ist es wert, auch wenn die Baupreise insgesamt erheblich seit 2015 (Baubeginn in Wiehl) gestiegen sind.
Auch der Vorschlag einen privaten Betreiber zu suchen wird sich kaum realisieren lassen. Ein solches Bad ist nicht so attraktiv, dass schwarze Zahlen zu erwarten sind. Und astronomische Eintrittspreise wären nicht im Sinne der SPD. Die wären wohl auch nicht durchsetzbar. Eine Beteiligung des EWF, wie in anderen Kommunen, ist natürlich zu überprüfen. Der Bürgermeister hatte wohl auch schon entsprechende Gespräche geführt.
Wir hoffen, dass die ganze Angelegenheit jetzt zügig angegangen werden kann, nachdem eine so breite Mehrheit da ist.“

Grünen-Fraktionsvorsitzender Klaus Stützle:
„Wieder einmal steht das Heloponte auf der Tagesordnung, ein Thema, welches
eigentlich schon längst erledigt sein sollte.
Warum ist das nicht erledigt??
Es lohnt ein Blick in die Vergangenheit, damit auch klar wird, warum wir noch nicht weitergekommen sind und wer für die Verzögerung verantwortlich ist.
Die nun folgende Aufzählung ist sicher nicht komplett, zeigt aber das Unvermögen, Entscheidungen zu treffen und lieber ein Gutachten oder Konzept nach dem anderen einzufordern. Übrigens im Gesamtvolumen von 400 Tsd.Euro, so hat es der Stadtverordnetenvorsteher ermittelt.
Es gab einen Runden Tisch 2011.
Es wurde das Altenburg Gutachten 2012 vorgelegt.
2012 sollte auf Antrag der CDU ermittelt werden was eine Therme kostet, dies zog einen Zeitverlust von eineinhalb Jahren nach sich.
In 2013 wurde das Ergebnis des Runden Tisch vorgelegt, und man diskutierte damals ein Nachfragekonzept 1 für 12,5 Mio Euro, ein Nachfragekonzept 2 für 16,0 Mio Euro und eine Konzeptvariante 3 für 10,0 Mio Euro.
Ebenfalls in 2013 wurde das Konzept Torlach vorgelegt.
Dann forderte die CDU 2014 eine Sanierung im Bestand. 2014 legte dann auf Initiative der SPD ein Herr Kannewischer sein Bäderkonzept vor.
2015 gab es dann ein Diskussionspapier von einer Privatperson (Dubilzig) zur Sanierung.
Die Verwaltung/Magistrat legte 2016??? eine klare Empfehlung und Standort für das neue Heloponte vor.
2017 beantragte die CDU ein Moratorium Heloponte.
Die FWG beantragte in gleichen Jahr (2017) die Einstellung eines Betriebsleiters und die Antragstellung von Fördermitteln.
Im Oktober und November 2017 wurde uns dann von PRO FUND Consult eine Marktanalyse vorgestellt und dann kam das Büro Constrata und legte ebenfalls Entwürfe und Zahlen vor.
Dazwischen waren dann diverse Fahrten zu bestehenden Freizeitbädern und natürlich hier in Bad Wildungen zig mal die Diskussion der Standortfrage.
Weil wir GRÜNE dann glaubten, dass nach diesen vielen Konzepten und Gutachten nunmehr es an der Zeit wäre endlich zu entscheiden, beantragten wir dann im September 2018 das Basismodell der Firma Constrata umzusetzen. Wir hatten damals auch die Förderzeiträume des Landes im Blick.
Wie Sie dann entschieden haben muss ich nicht weiter kommentieren, nur soviel, dieser Zeitverlust hat dann dazu geführt, dass Bürgermeister Ralf Gutheil im Dezember im Ältestenrat eingestehen musste, dass die Fördertöpfe des Landes wohl leer sind. So meine Damen und Herren kann man natürlich auch Kommunalpolitik betreiben aber diese Tour war dann eher zum Nachteil von Bad Wildungen.
Im besagten Ältestenrat hat dann die SPD vorgeschlagen, wieder einmal eine Schwimmbad Fahrt zu unternehmen. Nach Wiehl sollte es gehen. Und siehe da, es liegt ein neue Variante vor.
Man hat ein Schwimmbad ausgemacht, das Passgenau für Bad Wildungen geeignet ist.
Auch wenn ich meine Kenntnisse nur aus dem Internet habe möchte ich jedoch fragen, was am Angebot in Wiehl besser oder anders ist als das, was uns Constrata im letzten Jahr vorgestellt hat??
Wasserfläche in Wiehl bei 5 Becken 717 qm, 68 m Rutsche, Constrata im Plan 642 qm Wasserfläche plus 100 qm Wasserfläche für die Sauna.
Gut, der Baupreis in Wiehl ist deutlich geringer das Constrata Basismodell, aber die Rechengröße für jedes Modell bzw. Schwimmbad muss ein niedrigeres Defizit sein, also deutlich unter 2,0 Mio Euro im Jahr.
Und da führt dann wohl auch die Idee der CDU im 2. Satz des Beschlussvorschlages hin, wenn man die Gesamtbaukosten ohne Umsatzsteuer bei 14 Mio Euro verankern will. Dieser Vorschlag macht eher klar, dass die CDU auf der Suche beim Schwimmbadbau auf eine Eierlegende Wollmilchsau ist, denn für das Geld gibt es dann wohl eher einen lieblosen Betonschukarton.
Wir finden es schade, dass der CDU die Bad Wildunger Kinder und Jugendlichen und Familien nicht mehr wert sind.
Aber ich unterstelle mal, dass wir alle das gleiche wollen. Einen anspruchsvollen, nicht überdimensionierten Heloponte Neubau auf dem bisherigen Standort. Und weil wir nach wie vor vom Konzept Constrata überzeugt sind brauchen wir keine neue Planung, sondern sollten das Constrata Modell nun endlich angehen und wiederholen den Beschlussvorschlag von letztem Jahr:
„B90/GRÜNE beantragen den Empfehlungen von Costrata zu folgen und den Neubau des Heloponte nach dem „Basismodell“ zeitnahe umzusetzen“.“

Hat Ihnen unser Artikel gefallen?