Leserbrief Neues Kurhaus

(Foto. w-d/Archiv)

von Dr. Cornelius Faber

Der Tod meiner Mutter und langjährigen Stadtverordneten Renate Faber im Februar 2017 ist Auftrag an die Verantwortlichen der Bad Wildunger Stadtpolitik, das Engagement meiner Mutter für den Erhalt des Neuen Kurhauses weiterzuführen, sich auf ein modernes und tragfähiges Nutzungskonzept für das Neue Kurhaus zu verständigen und dieses konsequent umzusetzen.

Laut Wikipedia ist ein Kurhaus nach seiner Funktion ein Mehrzweckgebäude. Es enthält in der Regel eine repräsentative Eingangshalle, dazu Ballsaal, Theater- und Konzertsaal, Spielsaal und Gastronomie. In den Badestädten ist es häufig das am meisten auffallende und repräsentative Gebäude, mit dem das städtebauliche und gesellschaftliche Zentrum des Kurortes markiert wird.

Von alldem könnte das Neue Kurhaus im momentanen Zustand nicht weiter entfernt sein, es hätte aber zweifellos das Potenzial, bei einer entsprechenden Nutzung eine Vielzahl der oben genannten Funktionen zu erfüllen. Es war auch meiner Mutter klar, dass mit den Veränderungen, welche die Kur in den letzten drei Jahrzehnten durchgemacht hat, auch die Nutzung eines Kurhauses hieran angepasst werden muss. Entsprechende Vorschläge hat sie unter anderem mit ehemaligen Mitarbeitern der Stadtverwaltung erarbeitet.

Beispielsweise scheint man in Bad Homburg begriffen zu haben, dass andere Wege beschritten werden müssen, um ein Kurhaus tragfähig nutzen zu können. Wie täglich aus der Radiowerbung zu erfahren, kann man im Kurhaus Bad Homburg auch Trauringe kaufen. Eine bessere und kostengünstigere Marketing-Maßnahme für das dortige Kurhaus kann es kaum geben. Dabei muss eine zumindest teilweise kommerzielle Nutzung nicht im Gegensatz zu den oben genannten Funktionen eines Kurhauses stehen, sondern scheint heutzutage vielmehr die notwendige Voraussetzung zu sein.

In Anbetracht der Tatsache, dass die Stadtverordnetenversammlung am 7. September 2015 dem amtierenden Bürgermeister den Auftrag erteilt hat, ein Konzept zur Wiederinbetriebnahme des Kurhaushauptgebäudes auszuarbeiten, erscheint es überraschend, dass er eine Machbarkeitsstudie für ein Hotelprojekt auf dem Kurhaus-Areal in Auftrag gegeben hat, die neben den Kosten von 17 500 Euro zu dem wenig überraschenden und nahezu banalen Ergebnis kommt, dass ein Hotel auf dem Kurhaus-Areal grundsätzlich machbar sei, allerdings neue Nachfrage induzieren müsse, um wirtschaftlich betrieben werden zu können. Die Studie schlägt die Errichtung eines Care-Hotels in Kombination mit einer Seniorenresidenz oder eines Clubhotels für Familien mit Kindern auf dem Kurhaus-Areal vor. Neben den sicherlich berechtigten Zweifeln, ob derartige Hotels die notwendige Nachfrage tatsächlich selbst induzieren können, ist anzumerken, dass derartige Hotels überall errichtet werden können und das Alleinstellungsmerkmal von Bad Wildungen in ihrer Eigenschaft als Badestadt im Gegensatz zu einem funktionierenden Kurhaus nicht fördern. Sollten es diese Hotelarten nicht schaffen, die besagte Nachfrage zu induzieren, besteht die Gefahr, dass neben der Parkhöhe eine weitere, das Stadtbild verschandelnde Hotelruine entsteht. Das Thema Parkhöhe zeigt, dass es in Bad Wildungen genügend andere Standorte gibt, derartige Hotelprojekte umzusetzen, ohne das Neue Kurhaus opfern zu müssen.

Dieses Alleinstellungsmerkmal von Bad Wildungen in ihrer Eigenschaft als Badestadt gilt es auszubauen und zu vermarkten. Alleinstellungsmerkmale müssen aber auch symbolisiert werden und erlebbar sein, eine Aufgabe, welche durch nichts besser erfüllt werden kann als durch das Neue Kurhaus, das den Erfordernissen der Kur der heutigen Zeit entsprechend genutzt wird. Genau diese Vision war die Triebkraft des Engagements meiner Mutter für den Erhalt des Neuen Kurhauses. Möge der Kandidat die Bürgermeisterwahl gewinnen, der die Chancen der Vision meiner Mutter erkennt, den Willen hat, diese konsequent umzusetzen und das nötige diplomatische Gespür besitzt, die nicht nur diesbezüglich verhärteten Fronten innerhalb der Stadtverordnetenversammlung zu überwinden.

Mit freundlichen Grüßen,

(Dr. Cornelius Faber)

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3 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Spangenberg,

    schade, dass Sie mir nicht richtig zugehört haben, ich stehe zwar einer Nutzung des Kurhauses in Eigenregie skeptisch gegenüber, würde mir aber wünschen, wenn es gelänge, die Säle, den Gestronomie- und Eingangsbereich mit in eine neue Planung einzubeziehen. Entsprechende Pläne gab es schon einmal, diese wurde aber leider nicht veröffentlicht.

    Das Problem würde mit Sicherheit auch nicht darin bestehen, das Gebäude wieder zu ertüchtigen, entsprechende Fördergelder gibt es bestimmt, allerdings habe ich bedenken vor den Folgekosten unter Berücksichtigung, dass wir zwei Wandelhallen und ein Schwimmbad haben, welche defizitär sind.

    • Sehr geehrter Herr Gutheil,
      aus Reinhardshäuser Sicht: Wie kommen Sie darauf, dass die Reinhardshäuser Wandelhalle defizitär sei, wenn man die in Reinhardshausen zu allokierenden Kurtax- und Bäderpfennig-Einnahmen berücksichtigt?

  2. Mit diesem Bürgermeister wird es kein Kurhaus mehr geben, …. das ist keine Vermutung, sondern das sagt er ganz klar. Wer also ein Kurhaus will, kann Herrn Zimmermann und Hr. Gutheil nicht wählen.
    Für mich persönlich ist diese Haltung unbegreiflich und in keinster Weise zugänglich. Aber nicht nur beim Kurhaus steht Hr. Zimmermann für eine rückwärtsgerichtete und destruktive Politik und nach dem Eindruck einer Podiumsdiskussion steht Hr. Gutheil für die Fortsetzung dieser Politik.

    Ein modernes wirtschaftliches Betreiberkonzept, sowie ein Konzept zur Belebung des Kurhausen gibt es übrigens schon lange, nur ignoriert Hr. Zimmermann diese, vermutlich weil die Verfasser dieser Konzepte Wildunger sind, die sich mit sowas auskennen und dafür kein Geld bekommen haben. Da nimmt man besser einen Gutachter von außerhalb, der eigene Interessen verfolgt, viel Geld für wenig nimmt und/oder vor allem auf den man genügend Einfluss nehmen kann, damit Gutachten entsprechend ausfallen.

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