Vom Nachdenken zum Vorausdenken

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Wahrscheinlich haben sich schon einige Leser gewundert, dass wildungen-digital nach der unerwartet großen Kurhaus-Demo und dem Abriss-Beschluss der darauffolgenden Stadtverordnetenversammlung sich nicht mit einem Kommentar zu Wort gemeldet hat. Wenn wir erst mal bei den Beobachtungen bleiben, dann lässt sich folgendes feststellen:

Der Planungsausschuss hat mit der Erledigung seines Auftrages und dem Beschluss, den Abriss des Kurhauses und einen Hotelkomplex nebst Stadtvillen zu ermöglichen, viele Wildunger wachgerüttelt.
Die Initiative der Ärzte-Gruppe, mittels einer Demonstration mit ihren Forderungen, nicht nur das seit langem stillgelegte Kurhaus zu erhalten, sondern auch nach einem mittelfristigen Stadtentwicklungskonzept in die Öffentlichkeit zu gehen, hat unerwartet viele Unterstützer und viel Zustimmung gefunden.
Die Resonanz in der Stadtverordnetensitzung am darauffolgenden Montag war zwar beachtlich, hat aber die Parlamentarier nicht davon abgebracht, bei zwei Gegenstimmen der Empfehlung des Planungsausschusses zu folgen.
In der parlamentarischen Debatte sprach der CDU-Stadtverordnete Georg Wackerbarth von der gemeinsamen Schuld am derzeit desolaten Zustand des Kurhauses.

Vermutlich hat er damit speziell die Stadtverordnetenversammlung sowie die anwesenden Mitglieder der Stadtverwaltung einschließlich Bürgermeister gemeint. Aber es wäre wichtig, die Frage nach den grundsätzlichen Verantwortlichkeiten zu stellen.
Denn, wenn es richtig ist, dass das Kurhaus und das dazugehörige Areal der Stadt gehört und somit Eigentum aller Wildunger ist, dann hat wohl dieser Souverän ebenfalls versagt. Weil nun mal in unserem demokratischen Rechtsstaat alle Staatsgewalt – und somit in diesem Falle auch die der Stadtverordneten und der Stadtverwaltung – vom (Wildunger) Volk ausgeht, muss dieses sich auch darum kümmern, was denn so in seinem Namen getan oder unterlassen wird.
Darum genügt es einfach nicht, alle paar Jahre das Kreuzchen hinter dem Namen einer Partei oder eines/einer Kandidaten/in zu machen und sich dann bis zum nächsten Wahltag auf dem Sofa entspannt zurückzulehnen. Da wurde ein fachkompetenter Kurdirektor entlassen, statt das in der Stadt stehende Kurhaus zu sanieren wurden Fördergelder für die aufwendige Modernisierung der relativ abgelegenen Wandelhalle eingeheimst und ausgegeben und so weiter.
Nun wird nach der Initiative der Ärzte-Gruppe von einem „Juwel“, einem „Schmuckstück“ gesprochen. Den Abriss-Beschluss beziehungsweise den zu erwartenden Abriss nennen viele der Wachgerüttelten „eine Schande“. Jammern und Empörung sind jedoch nicht angebracht. Manche denken weiter und spielen mit dem Gedanken eines Bürgerbegehrens. Möglicherweise gibt es ja doch noch einige andere Optionen? „Panta rhei“ – alles fließt, soll der Grieche Platon (428 bis 348 v. Chr., Foto: Glyptothek München) schon gesagt haben.

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1 Kommentar

  1. Um das Kurhaus wird von einigen engagierten Bürgern schon seit Jahren gekämpft. Natürlich fand das meist wenig Resonanz in der Stadt, aber bei 44% Wahlbeteiligung zur Bürgermeisterwahl, was kann man da bei so einem Engagement für ein Kurhaus an Unterstützung erwarten.
    Es gibt ganz sicher immer Möglichkeiten, es wäre aber schon ein ganz wichtiger Schritt, wenn sich endlich mal unsere Stadtverordneten mit dem selben Engagement wie sie sich mit dem Abriss beschäftigen, mal zur Abwechslung mit einer Wiederinbetriebnahme beschäftigen.
    Neben dem „Lückhoffpapier“ gibt es auch ein Betreiberkonzept für die Stadt als Ergänzung. Dieses Konzept liegt neben dem Bürgermeister auch den Parteivorsitzenden vor. Aber Rückfragen, Anforderung weiterer Informationen …. gab es bisher dazu nie. Ich hab bisher auch noch kein Argument gehört, wieso dieses Betreiberkonzept nicht funktionieren sollte. Es wird einfach nicht beachtet, dass ist das Problem !! Daher glaube ich, das man das Kurhaus seitens der Politik auch gar nicht ernsthaft erhalten will !!

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