Der lange Weg zum neuen Heloponte: Teil 2

- Warum das „Kannewischer-Gutachten“ entstand -

Das Freibad im letzen Herbst?

Nach Abschluss der Beratungen des „Runden Tisches“ hatte sich die öffentliche Diskussion über die Zukunft des Bades zu voller Breite entwickelt, viele unterschiedliche Vorschläge wurden präsentiert. Trotzdem machte sich eine gewisse Ratlosigkeit breit.

In meiner damaligen Eigenschaft als Stadtverordnetenvorsteher hatte ich im April 2014 die Einrichtung einer „Interfraktionellen Arbeitsgruppe (AG)“ der Stadtverordnetenversammlung angeregt. Diesem Vorschlag wurde gefolgt, alle Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung waren in dieser AG vertreten.

Die AG beschloss, sich bei ihren Sitzungen durch eine fachliche Beratung begleiten zu lassen. Alois Mieslinger (SPD-Fraktion) hatte den Markt für Bäder-Experten durchsucht und empfahl die Firma Kannewischer Management AG aus Zug in der Schweiz.

Die Firma erschien uns deswegen geeignet, weil das Unternehmen nicht nur bei über 400 Bäder-Projekten beratend tätig war, sondern weil es mit seinem Geschäftsführer Dr. Stefan Kannewischer auch selbst in Deutschland sechs Bäder bzw. Thermen sowie ein Hotel erfolgreich betreibt. Darum wurde schließlich Dr. Kannewischer von der Stadt beauftragt, die Sitzungen unserer AG zu begleiten, zu leiten und zu einem Ergebnis zu führen.

Wie war die Ausgangslage für die Arbeitsgruppe?

  • Eine Sanierung im Bestand wurde schnell verworfen: Das Bad ist 39 Jahre alt, die Risiken einer Sanierung sind zu groß, das zu erwartende Defizit würde sich auf mindestens 2,4 Mio Euro erhöhen.
  • Die Entwicklung der Besucherzahlen war ausgesprochen schlecht:
    • 2005: 175.000 Besucher
    • 2013: 126.000 Besucher
    • 2014 bis 2016: zwischen 115.000 und 120.000 Besucher (einschließlich Schulen und Vereine!)
      • Beispiel 2015: 15.000 Sauna, 17.000 Freibad, 94.000 Hallenbad, gesamt 126.000
  • Die Firma Altenburg (siehe Teil 1) hatte 2011 die Aufteilung der Eintrittskarten auf die verschiedenen Tarife des Bades untersucht. Das Ergebnis war kaum zu glauben (und wurde in der Öffentlichkeit leider nicht wahrgenommen oder aber ignoriert):
    • 47 % der Karten im Hallenbad wurden von Erwachsenen gekauft, davon hatten 98(!) % den 1- und 2-Stunden-Tarif genommen.
    • 30 % der Karten im Hallenbad wurden von/für Kinder gekauft, davon hatten 94(!) % den 1- und 2-Stunden-Tarif genommen.

Das bedeutet: Das Heloponte wird überwiegend für Kurzaufenthalte besucht und von einem „Erlebnis- oder Freizeitbad der Region“ kann keine Rede sein. Das Heloponte wird wie ein ganz normales Hallenbad genutzt!

Weil immer wieder geltend gemacht wird, das Heloponte sei doch „ein Familienbad“, war man über folgende Zahl besonders erstaunt: nur 8(!) % der verkauften Eintritte waren Familienkarten.

Die Schlussfolgerung aus dieser Analyse von Altenburg lautet:

Die Gesamtbesucherzahl ist für einen Komplex dieser Größe enttäuschend gering. Die Anzahl der Besucher pro Öffnungsstunde entspricht dem durchschnittlichen Niveau eines normalen Hallenbades. Für ein Freizeitbad dieser Größe ist der Wert massiv zu gering (22 Besucher je Öffnungsstunde incl. Kurse!).“


Kommentar des Verfassers:

Dass in Leserbriefen, z.B. von Frau Blackert, Frau Hessbrücken oder von Frau Gisbertz und von manchen politischen Akteuren gefordert wird, genau dieses Bad wieder zu bauen oder es zu renovieren, kann nur mit völliger Unkenntnis der genannten Fakten erklärt werden. Denn dann wäre ein wirtschaftliches Desaster vorprogrammiert.

Wolfgang Nawrotzki


Lesen Sie demnächst Teil 3 dieser Serie: Das Kannewischer-Gutachten

1 Kommentar

  1. Eine Bäderstadt ohne Bad ist ein Widerspruch in sich!
    Nur ein Umbau in eine moderne Therme macht Sinn. Ein entsprechendes Marketing wäre Pflicht. Vielleicht ein privater Investor?
    Ein Bewegungsbad integriert. Wir haben hier viele Physiotherapeuten mit denen bestimmt eine Zusammenarbeit möglich wäre.
    Dieses Angebot besteht meines Erachtens z. Z. nicht.
    Vielen Kurgästen in Reinhardshausen ist das Heloponte unbekannt. Hier wäre mehr Werbung und gegenenfalls eine Umlegung der Linie 1 sinnvoll.

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