Der Literarische Frühling startet am 2. April

Literarischer Frühling 2015 (Fotografie Katharina Jaeger)

Pressemitteilung: Das Festival „Literarischer Frühling in der Heimat der Brüder Grimm“ (02.-10.04.2022) stellt Literatur in außergewöhnlichen Kontexten vor.

Waldeck-Frankenberg, 16.03.2022 – Neue Blicke auf die Literatur lenkt vom 2. bis 10. April das Festival „Literarischer Frühling in der Heimat der Brüder Grimm“ im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg. In dieser Region Nordhessens, berühmt für ihre dichten Waldlandschaften, den Nationalpark Kellerwald-Edersee, die Fachwerkstädte sowie das Schloss Waldeck, im 12. Jahrhundert auf einer Burg erbaut, haben die Brüder Grimm viele Jahre ihre Märchenstoffe gesammelt, während sie in Marburg und Kassel studierten und arbeiteten. Die Märchen machten die Brüder weltberühmt, mindestens ebenso wichtig aber war ihnen die Erforschung der Sprachen Europas. Nicht minder ihr politisches Engagement für eine Neuordnung der europäischen Staatenwelt und eine Liberalisierung der Herrschaftssysteme. In diesem Resonanzraum gibt das Festival „Literarischer Frühling“ alljährlich herausragender Literatur und der Diskussion aktueller gesellschaftlicher Themen eine Bühne, veranstaltet unter der Leitung der Journalistin und Schriftstellerin Christiane Kohl von den drei Hotels Die Sonne Frankenberg, Schloss Waldeck und Landhaus Bärenmühle.

Prominenz aus Film und Fernsehen zu Gast

Eröffnet wird das Festival am 2. April von zwei Stars der Schauspielszene: Mario Adorf und Iris Berben. Auf Schloss Waldeck treffen sie zu einem Gespräch über Literatur und Film zusammen. Beide haben in berühmten Literaturverfilmungen mitgewirkt und bekannte Figuren aus Romanen wie den „Buddenbrooks“ oder „Die Blechtrommel“ verkörpert. Literaturkritiker Denis Scheck führt durch den Abend. Am Tag darauf tritt er selbst als Autor auf und stellt in dem Barockbau Schloss Friedrichstein Bad Wildungen sein humorvolles Werk „Der undogmatische Hund“ über Vierbeiner in der Weltliteratur vor. Der Abschluss des Festivals ist erneut einem berühmten Schauspieler gewidmet: Edgar Selge liest am 10. April in der Wandelhalle Bad Wildungen, in Europas größtem Kurpark gelegen, aus seinem meisterhaft erzählten literarischen Debüt „Hast du uns endlich gefunden“. Darin beschreibt er seine Kindheit im ostwestfälischen Herford um 1960, verknüpft mit der Geschichte der Bundesrepublik.

Die Dimensionen des Ukraine-Konflikts verstehen

Aus aktuellem Anlass sind mehrere Veranstaltungen des Festivals dem Krieg Russlands gegen die Ukraine gewidmet. „Den bestürzenden Nachrichten über Tabubrüche und brutale Kriegsverbrechen mitten in Europa setzen wir eine Kultur der Freiheit, Klarheit und Klugheit entgegen“, so Christiane Kohl.

Am 9. April tritt die georgisch-deutsche Schriftstellerin, Theaterregisseurin und Dramatikerin Nino Haratischwili im Landgut Walkemühle in Frankenberg auf. In ihren Romanen, auch in dem erst kürzlich erschienenen Buch „Das mangelnde Licht“, beschreibt sie immer wieder die Tradition der Knechtung und Entwürdigung in der ehemaligen Sowjetunion sowie die Verwerfungen und Gefährdungen des Lebens in einem postsowjetischen Land, das sich von der Vorherrschaft des Kremls zu befreien sucht. Am 10. April ist im Landhaus Bärenmühle der Osteuropa-Historiker Jörg Baberowski zu Gast. Der preisgekrönte Autor des Buches „Verbrannte Erde – Stalins Herrschaft der Gewalt“ analysiert das komplexe Verhältnis zwischen Russen und Ukrainern und deckt die historischen Hintergründe auf. Die aktuelle politische Entwicklung kommentieren der FDP-Ehrenvorsitzende Hermann Otto Solms und der Journalist Hans-Ulrich Jörges am 4. April in der Kulturhalle Frankenberg, moderiert durch den langjährigen SZ-Chefredakteur Hans Werner Kilz. Und am 8. April liest die Schriftstellerin Katerina Poladjan aus ihrem kürzlich erschienenen Roman „Zukunftsmusik“, der im Jahr 1985 östlich von Moskau spielt. Aus den verschiedenen Perspektiven innerhalb einer Gemeinschaftswohnung erzählt er von der Zeit des Untergangs der Sowjetunion.

Preisgekrönten Literat*innen an historischen Orten begegnen

Gleich mehrere preisgekrönte Schriftsteller*innen sind bei dem Festival „Literarischer Frühling“ zu Gast: Der Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels 2015 Navid Kermani liest in der Wandelhalle in Bad Wildungen am 7. April aus seinem jüngsten Buch „Jeder soll von daher, wo er ist, ein Stück näherkommen“. Darin lädt er Gläubige aller Schattierungen, Christen wie Muslime ein, in einen Dialog über ihre Vorstellungen von Gott zu treten. Büchner-Preisträger Friedrich Christian Delius, im hessischen Wehrda aufgewachsen, tritt am 10. April im Hotel Schloss Waldeck auf, wo er unter der Moderation von rbb-Redakteurin Anne-Dore Krohn sein neuestes Werk „Die sieben Sprachen des Schweigens“ vorstellt. In drei essayistischen Erzählungen reflektiert er das Widerspiel von Schweigen und Sprechen: während eines befreienden Erlebnisses in Jerusalem, bei einem Aufenthalt auf der Intensivstation und während eines Spaziergangs mit Imre Kertész durch Jena.

Julia Franck, Deutsche Buchpreisträgerin 2012, kommt am 5. April ins Landgut Walkemühle Frankenberg mit ihrem neuen, autobiografisch gefärbten Roman „Welten auseinander“. Er beschreibt eine ungewöhnliche Jugend voller Brüche und Unsicherheiten, Erfahrungen des Fremdseins und Nicht-Dazugehörens, zwischen Ost und West, Stasi-Spitzeleien, kommunistischen Verhärtungen und der Befreiungsbewegung der 68er. Der vielfach preisgekrönte Schriftsteller Thomas Hettche liest am 3. April aus seinem Buch „Herzfaden“. Kritiker bescheinigten dem Werk eine „formvollendete Erzählarchitektur“. Akribisch recherchiert ist es der Geschichte der Augsburger Puppenkiste vor dem Hintergrund des Aufbaus der Bundesrepublik Deutschland gewidmet.

Herausragende Lyrik präsentiert am 9. April das Landhaus Bärenmühle, das selbst an einem ‚poetischen‘ Ort, in der Abgeschiedenheit des Wiesengrundes liegt: Joachim Sartorius, ausgezeichnet als Chevalier des Arts et des Lettres und polyglotter Weltbürger, liest dort aus seinem Gedichtband „Wohin mit den Augen“. In Syrakus, in Alexandria oder Tunis lässt er sich anregen zu mediterranen Meditationen, die hin und her schwingen zwischen Schaulust und existentiellem Ernst. Die Einsamkeit mitten in der Naturlandschaft des Waldecker Landes wurde für den Schriftsteller und Journalisten Wolfgang Büscher zur Inspirationsquelle: In seinem neuen Buch „Heimkehr“ verarbeitet er das Erlebnis, fast ein Jahr lang als Eremit in einer einsam gelegenen Jagdhütte der Fürsten zu Waldeck und Pyrmont gelebt zu haben. Am 6. April tritt er im Hotel Schloss Waldeck auf.

Krimifans kommen am 9. April im Landhaus Bärenmühle auf ihre Kosten: Der langjährige ZDF-Redakteur Harald Lüders präsentiert seinen Roman „Lass Gott aus dem Spiel“, der im Milieu des Frankfurter Bahnhofsviertels mit seinen Bordellen, Kneipen und Immobilienmagnaten spielt.

Grenzen sprengen – Literatur und Kulinarik der Zwanzigerjahre

Drei szenische Küchenlesungen, am 3. und 4. April im Restaurant „Philipp Soldan“ des Hotels Die Sonne Frankenberg, mitten im historischen Kern der alten Fachwerkstadt, führen ins New York der Zwanzigerjahre, die ein neues Lebensgefühl entfesselten. Schauspieler Michael Quast trägt Passagen aus dem berühmten Roman „Der große Gatsby“ von F. Scott Fitzgerald vor. Wie kaum ein anderer fängt er das wilde, verruchte Leben jener Zeit ein. Dazu kreiert Sterne-Koch Erik Arnecke ein Menü, komponiert aus Rezepten der „Roaring Twenties“.

Das komplette Programm sowie Informationen zum Ticketverkauf finden sich auf der Webseite unter www.literarischer-fruehling.de.

Veranstaltet wird der Literarische Frühling auf den Spuren der Gebrüder Grimm von den drei Hotels Die Sonne Frankenberg, Schloss Waldeck und Landhaus Bärenmühle in Partnerschaft mit knapp zwei Dutzend Firmen und Institutionen der Region. Die Schirmherrschaft haben Mario Adorf und F. C. Delius übernommen, Geschäftsführerin ist die Autorin und Inhaberin des Romantik Hotels Landhaus Bärenmühle Christiane Kohl. Medienpartner sind die Hessische/ Niedersächsische Allgemeine (HNA), Waldeckische Landeszeitung und hr2 Kultur.

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