Greta Thunberg – ein Vorbild für Mareile Halm (74)

Bericht und Interview

Oldies for Future beim Klimastreik in Fritzlar

Von Peter Fritschi

Im nordhessischen Fritzlar ticken die Uhren inzwischen anders: Während im Sommer noch 300 überwiegend Jugendliche die Klima-Demo dominierten, waren jetzt gerade mal eine Handvoll unter den etwa 100 TeilnehmerInnen, die sich um 14.30 Uhr am Marktplatz versammelten. Die Oldies for Future waren in der Mehrheit. Von den Veranstaltern war deren verstärkte Teilnahme diesmal auch erwünscht. Aber wo waren die vielen jungen Leute, die Schüler und Schülerinnen, die es am heftigsten treffen wird, wenn Politik und Wirtschaft im Prinzip „weiter so“ machen? Reichte ihnen das Klimapäckchen der Bundesregierung? Glaubten Sie an ihren Erfolg, weil das EU-Parlament den Klima-Notstand ausgerufen hatte? Oder fehlte dieser kick, der letzten Unterrichtsstunde „mit gutem Gewissen“ fernbleiben? Ohne Antwort vonseiten der Ferngebliebenen bleibt viel Raum für vielleicht noch manch andere wilde Spekulation.

Karen Mioska hatte in den ARD-Nachrichten den Klimaforscher Prof. Schellnhuber zu neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft befragt. Demnach ist mit einem Domino-Effekt zu rechnen, der die bisherigen Vorhersagen wie ein Kartenhaus in sich zusammenbrechen lassen würde. In viel kürzerer Zeit als bisher angenommen würde der Meeresspiegel um 10m ansteigen. Nicht nur Deutschland würde kleiner! Die weltweiten Folgen wären mit dem Begriff „fatal“ wohl kaum mehr zutreffend zu beschreiben. Wenn sich die konservative WELT Ende 2015 noch damit begnügte, solche Hiobsbotschaften als ewigen Alarmismus abzutun, wird sie sich Ende 2019 wohl kaum noch trauen, diesen wissenschaftlich nachgewiesenen Domino-Effekt beim Klima ohne Gesichts- bzw. Abonnentenverlust zu leugnen.

Mareile Halm (rechts) als Stellvertreterin der Demo-Mehrheit

Wir trafen in Fritzlar erneut auf die „Oldies for Future“-Teilnehmerin Mareile Halm aus Gilsa und haben sie auch zu ihrem Motiv befragt, mit 74 Jahren bei der Klima-Demo mitzumachen. Im Interview erklärte sie uns auch den Mechanismus der schwindenden Eisoberfläche und damit einhergehender Verringerung der Reflexion von Sonnenstrahlung zurück ins All. Die vergrößerte Meeresoberfläche absorbiert mehr Sonnenenergie, die Meere werden wärmer. Dies kommt zur CO2-Problematik, dem Treibhauseffekt, noch hinzu.

Frau Halm, haben Sie auch schon in jüngeren Jahren demonstriert?

Nein. Das begann erst, als ich von Greta Thunberg hörte. Da wurde mir klar, dass ich mich engagieren musste. Da ging ich in Homberg/Efze, in Treysa und nun zum zweiten Mal in Fritzlar auf die Straße.

War also Gretas Botschaft Ihr Motiv, zum ersten Mal zu demonstrieren?

Greta Thunberg war für mich der Anlass, mich mit der Bedrohung der Zukunft unseres Planeten auseinanderzusetzen. Ihr konsequentes Auftreten ist für mich auch ein Vorbild.

Greta ist 16. Sie könnte Ihre Enkelin sein. Gehen Sie auch für die Enkel- oder Ur-Enkelgeneration auf die Straße?

Ja, obwohl ich keine Enkel habe. Ich denke aber auch an die für 2050 vorausgesagten 80 Millionen Klima-Flüchtlinge, die nach dem Abschmelzen der Pole und dem Anstieg des Meeresspiegels ihr Land verlieren werden. Kriege werden die Folge sein.

Was sollte Ihrer Meinung nach geschehen, damit dies alles nicht passiert?

Es sollten zielführende Maßnahmen ergriffen werden. Dazu gehören für mich auch Prioritäten der Politik zugunsten erneuerbarer Energien.

Frau Halm, wir danken Ihnen für das Gespräch

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