Coronavirus: Das widerstandslose Aufgeben der Freiheit ist gefährlich.

auch zum hören: link am Schluss

Jeden Tag, an dem Freiheitsrechte eingeschränkt sind, als Verlust wahrnehmen – das ist für Vladimir Balzer ein Teil des nötigen demokratischen Widerstands. (imago images / POP-EYE / ChristianxBehringx)

Geht es derzeit wirklich nur um den Kampf gegen die Pandemie? Diesen Wortbeitrag im Deutschlandfunk Kultur vom 24.03.2020 möchten wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, zur Kenntnis bringen.

Die deutsche Politik hat zu spät auf das Coronavirus reagiert. Jetzt muss die ganze Gesellschaft lahmgelegt werden. Angesichts dieser weitreichenden Einschränkungen brauche es demokratischen Widerstandsgeist, mahnt der Journalist Vladimir Balzer.

Dieses Deutschland ist kaum wiederzuerkennen. Alles ist ausgesetzt, was unser Leben lebenswert macht: Freunde treffen, Kultur genießen, sich in seinem Beruf verwirklichen, neue Länder kennen lernen, frei sein.

Warum nehmen wir das einfach so hin? Noch bevor die Frage gestellt ist, kommt aus hunderttausenden Kehlen die Antwort: Die Virologen sagen, dass es sein muss. Wir müssen unsere Freiheit aufgeben. Wir müssen uns fügen. Ja, natürlich, muss die Ausbreitung des Virus verlangsamt werden, um das Gesundheitssystem nicht zu überlasten. Ja, dafür muss einiges mobilisiert werden.

Bürger bereit für höchstes Opfer: die Freiheit

Doch vielleicht wäre es bei rechtzeitiger Reaktion der Politik vermeidbar gewesen, eine ganze Gesellschaft lahm zu legen.

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Und wir Bürgerinnen und Bürger nehmen einfach alles hin. Wir sind offenbar bereit, jeden erdenklichen Preis zu zahlen.

Man könnte jetzt einwenden: Ist doch nur ein paar Wochen. Ja, mag sein. Aber genau dieses Durchspielen einer geschlossenen Gesellschaft ist gefährlich. Allein die Möglichkeit, dass wir dieses freie, offene Land ohne Diskussionen und spürbare Widerstände einfach so lahmlegen, dass wir Grundrechte außer Kraft setzen, dass wir Menschen denunzieren, die es wagen, eine Runde im Park zu drehen, dass wir eine Zwangsgemeinschaft aufbauen – allein diese Möglichkeit, ist ein Spiel mit dem Feuer.

Eingeschränkte Freiheitsrechte als Verlust wahrnehmen 

Wir zeigen damit, dass es geht: Demokratie und Freiheit abschaffen. War das nicht das Jahr, in dem wir die Deutsche Einheit feiern? 30 Jahre Friedliche Revolution? Schon vergessen?

Natürlich gibt es auch in dieser Krise Hoffnung. Irgendwann sind wir durch. Aber was kommt dann? Vor welcher Gesellschaft werden wir dann stehen? Was haben wir dann? Stunde null? Wie nach einem Krieg?

Die Kulturszene könnte jedenfalls bis dahin gerodet sein und die meisten Freiberufler verarmt. Hunderttausende kleine Unternehmer, die die Lebendigkeit unserer Wirtschaft ausmachen, könnten aufgegeben haben. Staatliche Hilfsprogramme werden nicht ausreichen, können es gar nicht.

Was es jetzt noch dringender als finanzielle Hilfe braucht, ist ein demokratischer Widerstandsgeist. Auch wenn wir vor einer geschlossenen Gesellschaft stehen: sich nicht auf Dauer damit abfinden. Jeden Tag, an dem Freiheitsrechte eingeschränkt sind, als Verlust wahrnehmen.

Und, wenn dieser Alptraum vorbei ist, darauf bestehen, dass Deutschland noch freier und noch liberaler wird. Darauf bestehen, dass wir dieses Land hier eines Tages wiedererkennen.

Zum Hören:

https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2020/03/21/kommentar_wir_duerfen_uns_nicht_an_eine_geschlossene_drk_20200321_0725_78ab9d79.mp3

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3 Kommentare

  1. Was für ein Kommentar!
    Die rot/grüne Journaille in diesem Land macht vor nichts Halt!
    Die Regierung hat also zu spät reagiert, weiß dieser „Journalist“.
    Was hätte dieser Mensch geschrieben, wenn die Regierung sofort reagiert hätte und eine Ausganssperre noch vor den ersten Krankheitsfällen verorndet hätte?
    Er hätte nicht gechrieben, sondern geschrieen: Zeter und Mordio!
    Um das Weltklima zu retten, wollen aber Journalsiten dieser Art gerne die Freiheitsrechte einschränken und den Rechtsstaat aushebeln.
    Das fängt dann mit Tatsachenverfälschung an, wie z.B. der Verhöhnung der Opfer des Erdbebens und des Tsunamis von Fukushima alljährlich – dies wird auch auf diesem Portal gerne gepflegt.
    Natürlich müssen wir alle große Opfer bringen, und vielen wird es wirtschaftlich die Existenz kosten, schon alleine deswegen, weil eben doch nicht alle Berufsgruppen tatsächlich unterstütz werden.
    Zinslose Kredite müssen irgendwann zurückgezahlt werden und sind eben KEINE Hilfeleistung dieses Staates.
    Das Beharren der Grünen auf den mordernen CO2-Ablasshandel hilft auch nicht gerade, die wirrtschaftlichen Folgen von Corona zu beheben.
    Also, Journalisten dieses Landes, wo bleit der Aufschrei gegen Frau Baerbock nd Herrn Habeck?

    • Auf welchem Planeten lebt Herr Hoffmann denn? Sein Kommentar wäre vermutlich in keinem Medium veröffentlicht worden, das auf seine Wirksamkeit nach außen bedacht ist. Ich finde, dass dieser Kommentar nicht ohne Weiteres mit den Grundsätzen dieser Zeitung vereinbar ist. Dass Hoffmann dennoch seinen nahe an Hetze und Hass befindlichen Kommentar veröffentlicht bekam, ist vielleicht der Grundidee geschuldet, die da lautet: Vielfalt auch bei Meinungen.

  2. 55 % der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland (Tendenz steigend) sollen der Politik und Wirtschaft nicht mehr zutrauen, die anstehenden Probleme und die zukünftigen Aufgaben zu bewältigen.

    Woher kommt dieses Misstrauen?

    Wenn wir, als Weltgemeinschaft, nicht bald dazu übergehen, die Ursachen der ganzen Krisen anzugehen, dann werden die heutigen Einschränkungen, nur ein Vorgeschmack für das sein, was die mehr und mehr außer Kontrolle geratenen natürlichen Prozesse uns Menschen auferlegen werden. Und das spüren mehr und mehr Menschen – daher das tiefe Misstrauen in die Politik und Wirtschaft.

    Jetzt wäre die Zeit gekommen, alles, wirklich alles, was wir machen und für die Zukunft geplant haben (ohne Tabus), auf den Prüfstand zu stellen.

    Ist das alles wirklich stimmig – somit nachhaltig und lebensbejahend was wir machen und planen?

    Diese Frage sollte nicht nur erlaubt sein, sie ist dringend notwendig.

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