Das Wort zum Donnerstag: „Ober – Zahlen bitte!“

Vorsicht!

Zugegeben, derzeit ist dieser Ruf in der Gastronomie nach genossenem Essen, Trinken oder Eis-Schlecken kaum mehr zu hören. Meist kann man ja mit dem, was einem aufgetischt wurde, ganz zufrieden sein. Außerdem werden wir inzwischen meist von netten Bedienungen weiblichen Geschlechts gefragt, ob es denn geschmeckt habe. Und in Zeiten der Gentrifizierung, was die Infizierung der Alltagssprache mit geschlechtsneutralen Anreden und Bezeichnungen, sogar in unserer Nationalhymne bedeutet, ist der „Ober“ völlig out.
Nur zur Erinnerung: Das Kurzwort Ober bedeutete mal Oberkellner. Das war jener, der kassieren durfte, was natürlich auch kein männliches Vorrecht mehr ist.
Männlich bleibt jedoch nach dem Willen der Wildunger Wähler das Stadtoberhaupt der Badestadt. Bekanntlich erfolgt im September die Übergabe des Amtes an den Nachfolger. Bis dahin ist der Amtsinhaber selbstredend noch im Amt. Und der nutzt kurz vor seinem Abgang die Sommerferien, um dem daheim gebliebenen störrischen Wahlvolk ab und zu etwas aufzutischen. Dazu gehört aktuell die Ankündigung, das neueste Konzept für das Heloponte in der August-Sitzung der Stadtverordnetenversammlung vorzustellen. Hmm – das wird doch sein letzter Termin als Bürgermeister in diesem Gremium sein – oder?
Dass er für die Ankündigung in der „Saure-Gurken-Zeit“ nur die Redakteurin der WLZ in Anspruch nimmt und uns nicht zu dem „Pressetermin“ eingeladen hat, ist verständlich. Es ist eben schwer, sich nach zwei Amtsperioden umzugewöhnen.
Bislang sind die Mitglieder der tapfer verbliebenen Wildunger Lokalredaktion noch nicht als Experten für Satire aufgefallen. Was aber der Kollegin in der vorigen Samstagsausgabe gelungen ist, kann man in dieser Hinsicht ruhig als Glanzleistung bezeichnen. Unter der hintersinnigen Überschrift „Zahlen zum neuen Bad“ wird über das „ausgearbeitete Raumkonzept“ für den Heloponte-Neubau berichtet, ohne eine einzige Zahl zu nennen. Da wird zwar davon geschrieben, dass ein Planungsbüro die Bau- wie auch die laufenden Kosten berechnet habe. Aber konkrete Angaben werden den Lesern und Leserinnen vorenthalten. Kommt da etwa jemandem in dem aufmerksamen Publikum der neue angelsächsische Begriff „fake news“ in den Sinn?
Im Sinne jenes obigen Rufs nach dem Ober könnte das in der Überschrift am Anfang stehende Wort Zahlen statt des Plurals von Zahl auch als Kurzform des Verbs bezahlen verstanden werden. Aha! Dann ergäbe das auch den Hinweis an die Wildunger Bürgerinnen und Bürger, dass sie dazu – na klar – bezahlen müssen. Und das für „ein Raumkonzept ohne Architektur“! Was ihnen da wohl wieder aufgetischt und ob es schmecken wird?

4 Kommentare

  1. Ich frage mich warum eine Seite im Internet Anspruch erhebt,zu Pressegesprächen eingeladen werden,die von Frau Preysing einer Stadtverordneten angemeldet ist, die im Parlament fragen kann.

  2. Lieber Herr Henneberg, es hat sogar einige Leser gegeben, denen der (inzwischen reparierte) kleine Lapsus gar nicht aufgefallen ist! Wir freuen uns immer über aufmerksame Leser. Und natürlich über kompetente Kommentare. Hätten Sie denn auch inhaltlich etwas anzubieten?

  3. Ja so seid ihr, meckern und selbst bei den Zahlen durcheinander kommen!
    Zitat: „sich nach drei Amtsperioden umzugewöhnen“

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