Jesberg: Bürgerinformation in der Kellerwaldhalle

Bereitschaft zum Dialog
Die Bürgerinitiative Pro Jesberg hatte für Donnerstag, den 28.12.2017, zu einem Informationsabend über die geplante Hähnchenmastanlage oberhalb des Jesberger Schlossbergs in die Kellerwaldhalle eingeladen. Gut 200 interessierte Bürger nahmen an der Veranstaltung teil.
Zu Beginn sollte der Bauherr Gerhard Kröschel zusammen mit seinem Sohn Andreas den geplanten Stall der Öffentlichkeit vorstellen. Nach Angabe der BI Pro Jesberg machten die beiden trotz vorheriger persönlicher Zusage von dieser Gelegenheit keinen Gebrauch.
So machte ein ausführlicher Vortrag zum Thema Keime und Bakterien in der Landwirtschaft von Dr. Markus Schimmelpfennig, stellvertretender Leiter des Gesundheitsamtes Region Kassel und Projektleiter des MRE-Netzwerks Nord- und Osthessen, den Anfang. Der Gesundheitsexperte veranschaulichte, dass sich MRSA-Bakterien innerhalb einer solchen Anlage verbreiten, weil – hervorgerufen durch die hohe Besatzdichte der Ställe – ein Einsatz von Antibiotika unumgänglich sei.

Darauf folgte ein Vortrag zu den Themen Biolandwirtschaft im Kellerwald, landwirtschaftliche Entwicklung und über Interessenkonflikte zwischen Verbrauchern und Erzeugern. Martin Häusling, Europaabgeordneter und Agrarexperte der Grünen betonte, dass sich Nordhessen aktuell in einer Entwicklung befinde, immer mehr Ställe zu

Martin Häusling, Prof. Markus Schimmelpfennig, Andres Grede und Michael Heder (Waldeck; von links) standen Rede und Antwort.

bauen, da in den nördlicheren Bundesländern schlicht kein Platz mehr für neue Anlagen sei. Etwa in Niedersachsen, dem „Schlachthof Europas“, würden die Bauern schon nicht mehr wissen, wo sie die Gülle noch hin kippen sollen. Des weiteren mahnte er auch zur Vorsicht, sich in einem geschlossenen System zum Lohnmäster machen zu lassen. Der Bauer würde mit seiner Investition von etwa einer halben Million Euro das Risiko tragen, während er vom Schlachthof nur kurzfristige Garantien bekäme.
Im letzten Vortrag von Michael Heder, einem Mitglied der Bürgerinitiative Pro Waldeck. deren Widerstand gegen eine große Hähnchenmastanlage hessenweit Beachtung findet, wurde über die bisherige Arbeit und die durchaus zu erkennenden Erfolge dort berichtet. So habe man es etwa geschafft, dass sich die örtliche Politik inzwischen ebenfalls gegen die geplante Anlage stark mache.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Andreas Grede, Sprecher der BI Chattengau gegen Massentierhaltung, die vor den Auswirkungen der Schlachthoferweiterung des holländischen Konzerns Plukon in Gudensberg schon vor Jahren gewarnt hat. Er wies unter anderem darauf hin, dass Plukon auf seiner Homepage in den Niederlanden selbst inzwischen für andere Mastmethoden werbe. Kurzfristig hatte die BI Chattengau ihre Ausstellung „Der Stall vor meiner Tür – Nordhessen im Wandel“ aufgebaut.

Bei der anschließenden Diskussion wurden konkrete Fragen gestellt, auf die der anwesende Bauherr allerdings auch keine Antwort geben wollte. Dennoch sei der Abend insgesamt sehr sehr positiv angenommen worden und aus Sicht der BI Pro Jesberg ein voller Erfolg gewesen, so deren Mitglied Tobias Paschke. Die wichtigste Erkenntnis des Abends aber sei, dass es in der nahen Zukunft einen Dialog zwischen der Bürgerinitiative und dem Bauherren der Hähnchenmastanlage geben müsse. Dabei sollten beide Seiten versuchen, eine gemeinsame Lösung für alle Beteiligten zu finden.

Informationen zum Thema auch auf Facebook unter BI Pro Jesberg

 

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